31. Mai 2010

Unendliche Weiten: das Hochregallager im Logistikzentrum Sonneberg.
Das Logistikzentrum Sonneberg in Thüringen ist die Drehscheibe des Vertriebs der Simba Dickie Group. Hier kommen die Container mit den Spielwaren aus Hongkong an, die zwischengelagert werden, ehe sie ihre Reise in die Läden antreten. Ein Besuch in dem gigantischen Lagerhaus.
Welche Erwartung hat man als Besucher eines Logistikzentrums? Karge kalte Hallen, Muffelgeruch, nichts als öde Kartons? Auf dem Gelände der Simba Dickie Group im thüringischen Sonneberg bekommt man einen Eindruck davon, was es tatsächlich heißt, mehr als 4.000 verschiedene Spielzeuge in unermesslichen Stückzahlen in aller Herren Länder dieser Erde zu verschicken. Wobei von Sonneberg aus vor allem Deutschland, Österreich und die Schweiz bedient werden. Die BIG-Spielwarenfabrik in Burghaslach, Noris-Spiele in Fürth und Smoby Toys in Frankreich betreiben eigene Logistik.
Dreizehn Hallen mit 52.000 Palettenstellplätzen auf rund 50.000 Quadratmetern bebauter Fläche umfasst die Logistikzentrale. Insgesamt umfasst das Gelände sogar 150.000 Quadratmeter. Die unzähligen einzelnen Artikel im Hochregallager kommen und gehen. Täglich werden 20.000 Sendungen auf den Weg gebracht, das sind mehr als 500.000 Artikel. Seit die Simba Dickie Group Anfang 2009 das Unternehmen auf das SAP-System umgestellt hat, kann der genaue Ist- und Jetzt-Stand jederzeit bis aufs kleinste Spielzeugauto festgestellt werden.
Das Ziel einer langen Reise
Ein beeindruckendes Szenario wiederholt sich fünf- bis sechsmal am Tag: Ankunft eines oder gleich mehrerer Container aus Hongkong, wo ein Teil der Spielwaren produziert wird. Containerschiffe bringen die High-Cubes von China nach Bremerhaven, wo sie auf Züge verladen werden. Diese rollen bis nach „Sonneberg Thür Ost“, dem etwas großspurig „Container Terminal“ genannten Ziel in dem kleinen Ort mit seinen etwas mehr als 23.000 Einwohnern. Die Simba Dickie Group ist hier mit Abstand der größte Empfänger.

Der Herr der Regale: Niederlassungsleiter Norbert Pillmann.
Die Reise dauert 25 Tage. Bis vor kurzem waren es nur 22. Doch jetzt fahren die
Schiffe langsamer, um Diesel-Kraftstoff zu sparen, ein Beitrag zum Umweltschutz,
der nebenbei Kosten senkt. Der Rekord liegt bei neun Containern pro Tag. Mehr
als 1.000 sind es pro Jahr. Das ist sehr viel. Jeder einzelne Container birgt bis zu 800 Kartons voller Spielzeug.
Ein etwas anderer Ferrari
Von den Schienen hebt ein gigantischer Spezialkran die Cubes auf den bereitstehenden Sattelschlepper. Ein riesiges Ungetüm, der Containerkran namens Ferrari 269 mit 300 PS. Gekonnt schnappt der Fahrzeugführer den Container, als wär’s eine Streichholzschachtel, und hebt ihn vom Gleis auf den Lastwagen.
Keine Viertelstunde später dockt der Container an der Logistikhalle an. Der Zoll hat ihn verplombt, nur der Fahrer ist befugt, ihn zu öffnen. Es knackt, die Türen fliegen auf. Das ist jedes Mal wie beim Überraschungsei – was steckt drin? Aha, eine Lieferung Schuco-Miniatur-Automobile oder Simba-Puppen oder Dickie-Spielzeug. Das Entladen dauert zwei bis drei Stunden.

Die Warenprüfer untersuchen das eingetroffene Spielzeug auf Qualität und Sicherheit.
Von jeder Lieferung landet ein Artikel pro Kiste sofort in der Warenprüfung. „Die haben’s gut“, stellt Norbert Pillmann die fünf Kollegen vor, „die dürfen den ganzen Tag lang spielen.“ Na ja, spielen geht anders. Warenprüfer untersuchen das eingetroffene Spielzeug auf Qualität und Sicherheit. Sie lassen Plastikboote zu Wasser und funkferngesteuerte Automobile auf dem Parkplatz fahren, checken elektronische Teile und streicheln über Holzartikel, wiegen und vermessen, zupfen an Puppenhaaren.
Konfektionieren bleibt Handarbeit
Das Hochregallager ist kein unangenehmer Ort. Vielleicht ist es die sonnengelbe Farbe der Regalstreben, vielleicht die Konstruktion der Halle, dass es hier sonnig, warm und ruhig ist. Unentwegt sausen Gabelstapler durch die Gassen, im Verkehr mit den Konfektionierern, die zu Fuß mit ihren Gitterwagen unterwegs sind. Wie Ameisen umrunden diese Fachkräfte für Lagerlogistik die Regale und sammeln bestellte Produkte ein, nach einem „wegeoptimierten“ Laufmuster, das dem Betrachter undurchschaubar bleibt. Hier wird jeder Extrawunsch erfüllt. Wenn der Kunde es will, bekommt er seine bestellte Ware schon mit Preis ausgezeichnet, in Folie oder Geschenkpapier verpackt.
Jeder Gabelstapler ist mit einem Display ausgestattet, alle sind untereinander per Funk verbunden. Die Kartons werden systematisch verteilt, ein- und aussortiert und sobald ein Regal leer ist, meldet sich das SAP-Programm wegen Nachschub. „Das hat uns schon nach drei Monaten 20 Prozent Effektivitätssteigerung verschafft“, freut sich Norbert Pillmann, der jeden Einzelnen der über 100 Mitarbeiter mit Namen begrüßt, während er durch die Regalreihen schreitet.
Persönlicher Kontakt zum Chef
Das ist ihm wichtig und man spürt, dass hier jeder jeden kennt. „Der Zusammenhalt ist eng“, sagt Pillmann, „unsere Mitarbeiter und die Region sind eins.“ Diese Heimatverbundenheit erleichtere auch die Kooperation mit Kommune, Landkreis, führenden Politikern. „Hier gibt es noch den kurzen Dienstweg.“

Und ab geht die Post.
Verlässt man das Lager-Labyrinth, landet man in der Poststelle. Viel Platz gibt es hier und Laufbänder, die die Pakete – von Schuhkarton- bis Umzugskistengröße – in bereitstehende Postwagen befördern. Mit dem „Gelben Riesen“ werden nur kleine Bestellungen verschickt. Pro Tag kommen trotzdem drei bis fünf große Postwagenladungen zusammen.
Die Angestellten sind zumeist Sonneberger und froh über den sicheren Arbeitgeber Simba Dickie Group. Denn so lebt die Tradition weiter. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Sonneberg 321 Spielwarenbetriebe und bereits 481 Exportunternehmen. 1913 wurde der Begriff „Weltspielwarenstadt“ geprägt. Oft standen mehr als 20.000 Artikel in den Musterzimmern der Großhändler. Das ortseigene Spielzeugmuseum stellt Erinnerungsstücke aus dieser Zeit aus. Bis zur politischen Wende 1989 stellten fast 3.000 Sonneberger in der VEB-Sonni (Volkseigener Betrieb) Spielwaren für die gesamte DDR her, für die Sowjetunion und auch für den Westen.

Das riesige Ersatzteillager für Tamiya und Carson.
Die Tradition lebt
Heute ist von der Größe und Bedeutung der Spielzeugregion nur wenig geblieben. Doch Norbert Pillmann engagiert sich diesbezüglich. Er organisiert Kinderfeste und die Wettbewerbe auf dem Tamiya-Raceway für Modellfahrzeuge hinterm Lagerhaus. Die beiden Rennstrecken mit je 250 Metern Länge, mit Ampelanlage, Fahrerlager und computergesteuerter Zeitmessanlage sind nach internationalen Maßstäben ausgerüstet. Besucher aus aller Welt besuchen jährlich die Finals zum Euro Cup und Fighter Cup.

Reparaturservice gehört zur Imagepflege.
Service ist Imagepflege
Faszinierend ist das Ersatzteillager für die Modelle der Marken Tamiya und Carson. Das ist ein einzigartiger Service für die Käufer der schnellen Flitzer und kostbaren Flieger, die schon mal Schaden nehmen, wenn sich ihr Besitzer versteuert. Millionen Einzelteile, vom Reifensatz bis zu Motorbausteinen, können nachbestellt werden. Aber das Angebot geht noch weiter. Zwei Serviceabteilungen übernehmen die Reparatur der hochwertigen Spielzeuge. Eine für Carson und Tamiya, eine zweite für Dickie. Hier sieht es aus wie in einer richtigen Autowerkstatt, winzig kleine und große Werkzeuge in allen Varianten, Männer im Overall und der Geruch von Öl. In der Modellbau-Reparaturwerkstatt basteln die fünf Spezialisten für Boote, Flieger und Fahrzeuge auch an Reklamationen. Nicht selten kommt ein passionierter Modellbauer vorbei, weil er fachmännische Hilfe braucht.

Das Sonneberger Führungsteam auf der Tribüne des Tamiya-Raceways.
Der Niederlassungsleiter freut sich schon auf die Erweiterung des Logistikzentrums bis Ende dieses Jahres. Rund 6.700 Quadratmeter sollen hinzukommen, etwa 12.000 neue Palettenstellplätze. Ein gutes Zeichen: Die Simba Dickie Group wächst weiter und schafft etliche neue Arbeitsplätze in der einstigen Spielzeugstadt. Wieder eine Herausforderung für den Logistikchef. „Da brauchen wir kein halbes Jahr, dann läuft das wie geschmiert.“ Dafür wird er schon sorgen, der Herr der Regale.
Hoher Besuch

Auf einer Reise zu Firmen im Landkreis Sonneberg machte kürzlich Matthias Machnig, Thüringens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie (SPD), erstmals auch im Logistikzentrum der Simba Dickie Group Station. Er staunte über die Dimensionen und hohen technischen Standards des gigantischen Versandzentrums. Minister Matthias Machnig zeigte sich fasziniert von diesem, einem der größten Arbeitgeber in der Region. Mit Freude vernahm er den weiteren Ausbau der logistischen Schaltzentrale und die daraus resultierende Schaffung neuer Arbeitsplätze. Ihm sei es ein wichtiges Anliegen, „die Menschen im Land zu halten durch starke Tarifpartner.“ Solche, wie die Simba Dickie Group. Unser Foto zeigt Matthias Machnig (rechts) im Gespräch mit Uwe Weiler, dem COO der Simba Dickie Group.

Mit Interesse: Wirtschaftsminister Matthias Machnig (Mitte, mit goldfarbener Krawatte), lässt sich von Niederlassungsleiter Norbert Pillmann (links) erklären, wie das Sonneberger Logistikzentrum der Simba Dickie Group weltweit agiert.