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09. Juli 2008

Wie ein Schuco-Modell entsteht

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Original und Miniatur: der Porsche 356 A Speedster im Maßstab 1:43

Handwerk trifft Hightech

Für die einen ist es die emotionale Reise zurück in die Kindheit. Andere suchen Ästhetik und Perfektion. Manche geben ihr letztes Hemd dafür: Schuco Modellfahrzeuge. Doch wie entsteht dieses originalgetreue Spielzeug?

Es gibt einen Ort in Deutschland, an dem wird mehrmals im Jahr Weihnachten gefeiert: beim Spielwaren- und Modellhersteller Schuco in Fürth. In dem Traditionsunternehmen ist immer dann „Bescherung“, wenn nach vielen Monaten der Feinarbeit endlich die Lieferung mit den ersten fertigen Modellen einer neuen Serie eintrifft. „Bei außergewöhnlichen Fahrzeugen wie dem 1:18-Feuerwehrauto mit Drehleiter, im Original von 1968, gibt’s einen Ansturm auf mein Büro. Alle wollen den Neuzugang sehen und anfassen“, so Michael Baumgärtner.

Der 39-Jährige leitet die Produktentwicklung bei Schuco. Er begleitet die Miniaturen vom Entschluss „Diese Serie entwickeln wir“ bis zu dem Moment, in dem das fertige Fahrzeug zum ersten Mal feierlich ausgepackt wird.

Etwa 40 Form-Neuheiten erblicken hier jährlich das Licht der Spielzeugwelt. Bei den Automobilen und Nutzfahrzeugen, nach historischen oder aktuellen Vorbildern, variiert die Größe von Streichholz- oder Zigarettenschachtel-Dimension (Maßstab 1:87 bis 1:43) bis zum stattlichen 1:18-Modell wie dem Feuerwehrwagen. „Der Maßstab 1:18 ist ebenso wie 1:12 wegen der Detailtreue die Königsklasse der Modellbau-Kunst“, so Baumgärtner. Eine Erstauflage umfasst etwa 3.000 Exemplare, spätere Varianten gibt es in limitierten Editionen von nur 1.000 bis 1.500 Stück. Je seltener, desto attraktiver für die Sammler. Bei aktuellen Miniaturen, die im Auftrag nahezu aller wichtigen Automobil-Hersteller fabriziert werden, erreicht die Auflage sogar fünfstellige Zahlen. Jüngstes Beispiel ist der Audi R8. Schuco-Fans müssen jedoch in jedem Fall sehr geduldig sein: „Von der Idee bis ins Regal vergehen immer mindestens neun Monate, manchmal sogar zwölf“, erzählt Michael Baumgärtner.

Höchste Geheimhaltung

Unternehmen wie Audi, BMW, Mercedes Benz, Opel oder VW können nicht warten, sondern wollen ihre Modellautos pünktlich zur Premiere eines neuen Modells in der Glasvitrine der Niederlassungen haben. Daher hütet Baumgärtner einen geheimen Schatz: Die streng vertraulichen CAD- (Computer Aided Design) Daten und Fotos der brandneu entwickelten 2008er oder 2009er Modelle.

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Schön, aber selten: Michael Baumgärtner mit Porsche 356 A Speedster im Maßstab 1:18

Paradiesisch für jeden Auto-Fan. Denn da sind Modelle dabei, von denen niemand weiß, dass sie überhaupt auf den Markt kommen.“ Abgesehen vom Hersteller natürlich.

Oldtimer sind handvermessen

Komplizierter wird es bei nostalgischen Exemplaren. Bei Oldtimern existieren keine CAD-Daten. Aber Schuco hat seit zwei Jahren einen fleißigen Mitarbeiter, der allen das Leben erleichtert: den mobilen Laserscanner. „Mit dieser modernen 3-D-Technik benötigen wir gerade mal zwei Stunden, um von historischen Fahrzeugen millimetergenau die Maße zu nehmen, die anschließend digital umgewandelt werden“, erläutert Udo Plichta, Produktentwickler bei Schuco. Vorbei die Zeiten, als hunderte Fotos gemacht und mühsam umgerechnet werden mussten. Jetzt geht’s ruck, zuck: „Wir positionieren Kugeln als optische Vergleichspunkte, legen einen Meterstab an, der Scanner macht sechs Aufnahmen, die wir am Computer später aufeinanderlegen, fertig“, erklärt Plichta. Viel schwieriger ist es für den 38-Jährigen und seine Kollegen, die historischen Originale aufzuspüren. Die Recherche gerät oft zur Abenteuertour durch Deutschlands Scheunen und Hinterhof- Garagen. Dort sind viele der „Perlen“ versteckt. Denn nur wenige Oldtimer-Besitzer geben ihre Kostbarkeiten der Öffentlichkeit preis.

Liebe auf den ersten Blick

„Schneller gestaltete sich das Suchen und Finden bei dem gelben Opel Ascona A, der den Schreibtisch von Michael Baumgärtner ziert. Bei dem 1:87-Modell der „Piccolo“-Reihe handelt es sich um das Fahrzeug, mit dem der legendäre deutsche Rallyefahrer Walter Röhrl und sein Kopilot Jochen Berger 1973 die Rallye Monte Carlo gewannen. „Ich habe das Fahrzeug im Opel Museum gesehen und war sofort Feuer und Flamme.“ Der Opel Ascona A ist ein Idealkandidat: Er ist ein Automodell mit Seele, er hat eine Geschichte, er erlaubt Varianten.

Arbeit am Modellauto ist Kunst

Die selbst erfassten CAD-Daten gehen mit Fotos und Skizzen an den „Maker“ (engl.: Hersteller) nach Dongguan, weltweite „Hauptstadt“ der Spielzeugproduktion in Süd-China. Dort gehen Künstler und Designer ans Werk. Sie erarbeiten den Prototypen aus Kunstharz. „Doppelt so groß wie das spätere Auto, damit Einzelheiten besser erkennbar sind“, erklärt Baumgärtner. Das ist wichtig: Jede Abweichung vom Original ist ein Sakrileg – da sind die Sammler kompromisslos.

Auf Basis des Prototyps beginnt – wieder im Fränkischen – der Feinschliff. Hat der Maker alle Details umgesetzt? Oder war er gar zu detailverliebt, sodass der Gesamteindruck nicht mehr stimmt? Es geht um Zehntelmillimeter. Passt der Prototyp, werden in China individuelle Werkzeuge und Stahlformen hergestellt. Die „Nullserie“ von zehn Exemplaren entsteht als graue Karosserie, die noch x-fach überarbeitet wird. Erst wenn das Fahrzeug serienreif ist, wird es im Zinkdruckguss- Verfahren gegossen und lackiert. Und dann ist bald schon wieder Weihnachten in Fürth.

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com

Die Schuco Story

Schuco steht für „Schreyer u. Co.“. Kaufmann Heinrich Schreyer gründete die Spielwarenfirma 1912 gemeinsam mit Heinrich Müller in Nürnberg.

1936 brachte Schuco die ersten Miniaturautos auf den Markt. Mitte der 50er Jahre produzierten 800 Menschen täglich bis zu 8.000 Exemplare in Nürnberg. Aus hochwertigem Metall. Dabei hatten längst Zinkdruckguss und Kunststoff den Spielzeugmarkt erobert. Die Metallverarbeitung rentierte sich eigentlich schon lange nicht mehr. 1976 war der Konkurs unabwendbar. Daraufhin wurden Werkzeuge und Formen in alle Welt verstreut, teilweise verschrottet. Ein Teil Schuco-Geschichte ging unwiederbringlich verloren.

1990 wurde Schuco zwar von einem ehemaligen Konkurrenten wiederbelebt, doch 1999 zog sich die Inhaberfamilie ganz aus der Branche zurück und verkaufte Schuco an die Simba Dickie Group. Dort hauchte man dem Mythos neues Leben ein, entwickelte innovative Produktlinien, setzte höchste Standards in Qualität und Präzision und eroberte Sammlerherzen (zurück). Heute setzt Schuco im wahrsten Sinne des Wortes wieder Maßstäbe.