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22. November 2011

Benzin im Blut

Jeden November streichen Hunderte weißer Handschuhe über die kostbaren Fahrzeuge. Einmal einen BMW 507 anfassen – bei der „Nacht der weißen Handschuhe“ macht das BMW Museum München Träume wahr. Wenn Heinrich Sieber im Schuco Museum seine Modellfahrzeuge poliert, nutzt er gerne auch mal feine Pinsel. Zwei Museen, ein Vergleich.

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Heinrich Sieber, Leiter des Schuco Museums

Das Fachwerkhaus mit dem Schuco Museum steht in prominenter Lage am Marktplatz des mittelfränkischen Örtchens Cadolzburg, über dem die imposante gleichnamige Burg thront. „Dieses Haus habe ich vor anderthalb Jahren entdeckt und mich sofort in die alten Gemäuer verliebt“, sagt Heinrich Sieber. Neben der Eisdiele im Erdgeschoss steigt er die Treppen hinauf und öffnet die Tür zu seiner Schatzkammer.  Sechs Monate lang baute der ehemalige Schuco-Geschäftsführer das Haus um, investierte rund eine halbe Million Euro. Im August 2010 verlegte er, inzwischen in Pension, seine Privat-Sammlung in die neuen Räumlichkeiten: etwa 3.500 Ausstellungsstücke präsentieren sich in den Vitrinen – darunter auch einige Miniaturen von BMW Modellen wie der BMW M1.

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Dr. Andreas Braun, Kurator BMW Museum

Im BMW Museum München erwarten die Besucher etwa 130 Exponate, darunter Automobile, Motorräder sowie Renn- und Flugmotoren. Bei der Auswahl der Exponate gehe es keineswegs darum, die Chronologie des Unternehmens BMW aufzuzeigen, sagt Dr. Andreas Braun, Kurator im BMW Museum. „Wir möchten hier keine Vergangenheits-bewältigung im Zeitraffer, sondern bieten unseren Besuchern eine innovative Begehbarkeit der Marke BMW.“ Deshalb zeigt das BMW Museum nicht nur Old- und Youngtimer, sondern auch Konzeptstudien und Zukunftsentwürfe. Aktuelle Modelle gibt es hingegen nebenan in der BMW Welt zu sehen.

Der BMW Vorstand hatte sich bereits 1973 bewusst dagegen entschieden,
mit dem BMW Museum Verkaufsförderung zu betreiben. Damals entstand
das Museum gemeinsam mit dem charakteristischen BMW Hochhaus, dem Vierzylinder. Die so genannte „Schüssel“, der Museumsrundbau, bot 1.000 Quadratmeter Platz. Heute sind es 5.000 Quadratmeter: BMW baute sein Museum von 2002 bis 2008 für 80 Millionen Euro um und nutzt seitdem auch den angrenzenden Flachbau, der früher eine Kantine und Parkplätze beherbergte. In ihm befinden sich inzwischen sieben Häuser aus Glas und Stahl, die verschiedene Themengebiete abdecken. Verbunden werden die Häuser und die Schüssel durch eine umlaufende Rampe, die eine Straße symbolisiert. „Wer durch das Museum geht, geht wie durch eine Stadt“, sagt Dr. Andreas Braun. „Hinter jeder Ecke entdeckt man etwas Neues.“

Glas für mehr Transparenz
Die Frage, wie man Besucher leitet und Exponate inszeniert, stellte sich auch Heinrich Sieber. Der 63-Jährige, der weiterhin als Executive Consultant für die Simba Dickie Group tätig ist, hat sein Museum gemeinsam mit seiner Frau konzipiert und die Gestaltung im Wesentlichen den Räumlichkeiten angepasst.

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Boliden ganz klein: Formel 1 Modelle
im Schuco Museum.

„Eigentlich wollten wir das Museum mit alten Schränken ausstatten. Dann wäre
die Präsentation aber zu dunkel geworden. Mit mehr Glas konnte ich eine größere Transparenz herstellen – und auch mehr Fahrzeuge unterbringen“, sagt der Modellauto-Experte. „Außerdem bleibt durch das Glas das Fachwerk hinter den Vitrinen sichtbar, das war mir wichtig.“ Wer ins Schuco Museum kommt, liebt Autos. „Einen besonderen Bezug zu Schuco und das meiste Wissen haben Besucher, die älter als 50 Jahre alt sind“, sagt Heinrich Sieber. Für die breite Öffentlichkeit will er sein Museum nicht zugänglich machen, wohl aber Schuco-Fans die Möglichkeit geben, die Sammlung zu sehen. „Ich öffne das Museum gerne für Schuco-Clubs, Design-Klassen einer Hochschule oder für Schulklassen.“

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Eines der beliebtesten Stücke im BMW Museum: der BMW 507.

Das BMW Museum ist hingegen nach dem Deutschen Museum das Münchner Museum, das am meisten Besucher anzieht: zuletzt 410.000 im Jahr. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 50 Jahre alt, außerdem kommen viele Schulklassen und regelmäßig Besucher aus Ländern wie den USA, Russland sowie aus dem asiatischen Raum. Ein Höhepunkt im BMW Museum ist die „Nacht der weißen Handschuhe“, die am 25. November 2011 bereits zum vierten Mal stattfindet: Mit Handschuhen ausgestattet, dürfen die Besucher in dieser Nacht ausnahmsweise die Exponate berühren. „Meine Kollegen aus anderen Museen haben mir dringend davon abgeraten“, sagt Dr. Andreas Braun. „Aber es ist noch nie etwas passiert – und die Autos glänzen am nächsten Tag umso mehr.“ Die meisten Autofans drängeln sich in dieser Nacht und auch zu den regulären Öffnungszeiten vor allem vor dem BMW 507 und der Isetta, die sich zu Publikumslieblingen entwickelt haben.

Hier zählen ideelle Werte
In Cadolzburg schlägt das Herz von Heinrich Sieber vor allem für eine Schuco
Feuerwehr aus dem Jahr 1954. „Sie hat damals 49 Mark gekostet, heute ist sie zwischen 4.000 und 4.500 Euro wert.“ Die Feuerwehr ist gleichzeitig das wertvollste Exponat der Sammlung, die Heinrich Sieber seit 20 Jahren aufbaut.
„Der Gesamtwert der Sammlung liegt irgendwo zwischen 100.000 Euro und
unendlich“, sagt der Experte. „Viele Exponate haben einen ideellen Wert.“

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Die Wechselausstellung „Welcome home BMW Art Cars“ in der Schüssel.

Den Gesamtwert der Ausstellungs-stücke im BMW Museum vermag
Dr. Andreas Braun nicht zu nennen. Für den teuersten BMW aller Zeiten hält er den von Andy Warhol bemalten BMW M1 – ein BMW Art Car der ersten Stunde: „Dieser Wagen hat allein einen Versicherungswert von 25 Millionen Euro. Aber der potenzielle Verkaufswert liegt wohl viel höher.“ Der BMW M1, den der legendäre US-Künstler 1979 gestaltet hat, war zuletzt fast ein Jahr lang im BMW Museum München zu Gast: Die Wechselausstellung „Welcome home BMW Art Cars“ zeigte bis Ende September die meisten der insgesamt 17 Kunstwerke umfassenden Kollektion, zuvor waren sie bereits im Pariser Louvre sowie in den Guggenheim Museen New York und Bilbao zu sehen.

Auch Heinrich Sieber weiß, wie interessant seine Exponate für andere Museen sind. Für diesen Herbst ist zum Beispiel eine gemeinsame Sonderausstellung mit dem Spielzeugmuseum Nürnberg geplant. „Dazu werde ich viele Schuco-Modelle beisteuern“, sagt Heinrich Sieber und schließt die Tür seines Museums wieder zu. Beim Herausgehen fällt ihm die Eisdiele ins Auge. Er gönnt sich zwei Kugeln und blickt lächelnd auf sein Fachwerkhaus.

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Die Modelle von BMW sind fester Bestandteil der Schuco-Sammlung.

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com