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06. Dezember 2010

Kinder lieben Hühner, Stinktiere und das K-Wort

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Berühmte Hühner: die Protagonisten des Bestsellers.

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Kommt eine ältere Dame in den Spielzeugladen, schleicht vor den Regalen herum, bis ein Verkäufer kommt und fragt, ob er helfen könne. „Ich suche dieses Spiel.“ „Welches denn?“ „Das mit dem Kinderreim.“ „Mmhh?“ „Das mit den Hühnern, das jetzt alle haben.“ „Wir haben mehrere Spiele mit Huhn.“ „Na, das mit dem K-Wort.“ Strahlendes Gesicht beim Verkäufer: „Ach so, Sie meinen Zicke Zacke Hühnerkacke. Oder Entenkacke?“ Großmutter läuft rot an und geht zur Kasse.

Derlei Dialoge haben sich häufiger abgespielt, als das Gedächtnisspiel mit dem
kecken Titel 1998 auf den Markt kam. Den Großen ging’s schwer über die
Lippen, doch die Kleinen setzten sich durch: Seither wurde der Bestseller des
Münchner Zoch Verlags mehr als eine Million Mal weltweit verkauft – und
mehrfach ausgezeichnet. Wie viele andere Brettspiel-Erfindungen der Ideenschmiede auch. Nun soll die Erfolgsgeschichte unter dem Dach von Noris-Spiele fortgeschrieben werden, einer Marke der Fürther Simba Dickie Group.

Erfinderische Freunde
Die bisherige Geschichte ging in Kurzform so: Als Schüler spielten der
Münchner Albrecht Werstein und der Freiburger Klaus Zoch gern zusammen.
Allerdings nicht wie andere Jungs die üblichen Brettspiele. Die zwei Freunde
erfanden sich selbst welche. Diese Leidenschaft sollte sie nie mehr verlassen. Viele Jahre später erhielt Werstein, mittlerweile Jurist, eine Postkarte vom Jugendfreund Zoch, er brauche Hilfe. Der „Bausack“ war erfunden, kam auf den Markt und gleich so gut an, dass Klaus Zoch aus der handgemachten Spielerei ein handfestes Unternehmen machen wollte.

Bei dem formschönen Geschicklichkeitsspiel zeigte sich schon, wohin die Reise
gehen sollte: Cleveres Regelwerk mit fantasievollen Figürchen. 1989 wurden
die Kreationen der beiden Spielerfinder sogar in den elitären Künstlerkreis des
berühmten Schwabinger Weihnachtsmarkts aufgenommen.

Jedenfalls stand 1987 Werstein zunächst einmal vor der Frage, ob er sich als Anwalt einer Sozietät anschließen oder hauptberuflich Spiele entwickeln sollte.
Er wollte Letzteres. Gemeinsam gründeten sie eine GmbH, in der sich alles um
Qualität, Kreativität und Kinderträume drehte. Ihre Holzprodukte ließen sie erst
nur in Deutschland fertigen, entdeckten später die begnadeten Spezialisten in
China. Mehr als ein Dutzend ausgezeichnete Brettspiele etablierte das Duo zur
Kinderunterhaltung am Markt, bis mit der „Hühnerkacke“ der große Durchbruch
über sie hereinbrach. Die Gedächtnisrallye, eine Weiterentwicklung des traditionellen Memory, sorgte dafür, dass der Spielzeughandel um die Münchner nicht mehr herumkam. 1998 gab es den Sonderpreis „Kinderspiel des Jahres“, wie der „Oscar“ der Spiele-Industrie heißt. „Das war eine große Sache für einen kleinen Verlag wie uns“, sagt Albrecht Werstein. „Dadurch konnten wir uns
positionieren.“

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Typisch Albrecht Werstein: Bei „Heckmeck Barbecue“ macht schon die Schachtel Spaß.

An derlei Ritterschläge sollten sich die Erfinder gewöhnen. Der global renommierte Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ folgte für „Villa Paletti“ und „Niagara“. Den „Deutschen Kinderspielepreis“ erhielten dann auch „Dicke Luft in der Gruft“ und „Burg Appenzell“. Die frechen Namen wurden zum Markenzeichen: „Schleck & weg“, „Au Backe“, „Hick Hack in Gackelwack“, „Schicki Micki“ und „O Zoo le mio“ sind nur einige davon.

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Testspiel im Hof: Die Redakteure Andreas Kramer (l.) und Walter Scholz vergnügen sich mit „Heckmeck am Bratwurmeck“.

Das Würfelspiel „Heckmeck am Bratwurmeck“ (2005) zählt zu den Verkaufsschlagern. Insgesamt kann sich Albrecht Werstein heute Vater von weit über 100 Spielen nennen, mit Auslandsadaptionen sind es sogar 250.

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Bei der Arbeit: Alexandra Binder (l.), Michaela Hammerström und Andreas
Kramer (r.) spielen „Bamboleo“.


Zum festen Sortiment des Autorenverlags gehören heute gut 40 Kinder-, Familien-, Karten-, Würfel- und Geschicklichkeitsspiele. Die erfolgreichsten unter den Zoch-Zauberkünsten gibt es auch als Großspiele für draußen oder im Kindergarten. Da wird ein Brett- zum riesigen Rollenspiel inklusive Verkleidung für die ganze Familie. „Spielen ist der größte Luxus“, sagt  Werstein. „Die selbstvergessene Freude der Kinder können wir Erwachsenen uns nur abgucken.“

Qualität vor Quantität
Eines Tages zog sich der heute 57-jährige Klaus Zoch nach Frankreich zurück. Die Neuerscheinungen von Zoch richten sich nach seinem kreativen Rhythmus. So soll es auch unter dem Dach der Simba Dickie Group bleiben. „Wir bringen nur auf den Markt, was wirklich Potenzial hat“, betont Oswald Hertlein, Managing Director Noris-Spiele. „Sind es zwölf gute Ideen pro Jahr, gibt es zwölf, sind es nur fünf, dann gibt es eben nur fünf Neuheiten. Mir geht es um Qualität vor Quantität.“

Mit den Redakteuren Walter Scholz und Andreas Kramer sowie Art Director Oliver Richtberg tüftelt der 56-jährige Albrecht Werstein an neuen Ideen. Da wird mit Stift, Schere und Klebstoff in Pappe gebastelt, es wird gezeichnet, diskutiert und natürlich gespielt. Nicht selten in einem Biergarten. Oft sind die bis zu 1.000 eingereichten Spielkonzepte internationaler Erfinder eine gute Ausgangsbasis. „Villa Paletti“ beispielsweise kam ursprünglich von einem kanadischen Autor, „der hat später sein Spiel gar nicht mehr erkannt und die Regeln nicht verstanden“, erinnert sich Werstein und schmunzelt.

Neue (Spiel)Pläne gibt es genug
Eine aktuelle Kreation wurde gerade auf der Leitmesse „Spiel 2010“ in Essen präsentiert: „Mord im Arosa“, in Reminiszenz an das Messe-Partnerhotel. „Das Familienspiel hat eine pfiffige Verpackung und fordert die Sinne, man hört, wohin der Spielstein fällt, und muss sich das merken“, beschreibt Werstein seinen jüngsten Streich, der hoffentlich auf fruchtbaren Boden fällt. Ausgebaut werden soll auch die Kategorie In- und Outdoorspiele, wofür „Boochie“ ein frisches Beispiel ist. Es basiert auf einer amerikanischen Lizenz. „Ich hoffe, mit Noris’ Hilfe das Lizenzgeschäft forcieren zu können“, so Werstein.

Neuerungen stehen auch in der Produktion in Fürth-Stadeln an. Schließlich werden dort jetzt zusätzlich Zoch-Schachteln hergestellt. „Das geht gut voran, wir
optimieren die Prozesse, da ist noch Luft“, so Hertlein. Das sei das Besondere
an Noris im Vergleich zu großen Verlagen: „Wir sind flexibel, können auch limitierte Auflagen sehr effizient produzieren, das ist beim Auslandsgeschäft wichtig.“

Ein Highlight unterm Weihnachtsbaum soll „Safranito“ werden, ein taktisches
Familienspiel für Kinder ab zehn Jahren: An einem indischen Gewürzstand feilschen Spieler um die kostbaren Zutaten für exquisite Speisen, die sie dem Maharadscha  servieren müssen. Besser könnte gerade kein Spiel zur Simba Dickie Group passen.

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com