10. September 2009

Viele Eltern tun nahezu alles, um ihre Kinder glücklich zu sehen. Aber ist es das richtige Engagement? Einige Grundregeln kennen die Experten aus der Glücksforschung.
Es gibt das angeborene Talent zum Glücklichsein wie zum Klavier- oder Fußballspielen. Da ist sich die Wissenschaft einig. Jeder kennt so einen Sonnenschein, der schon als Baby immer lustig brabbelte. Oder ängstliche kleine Kinder, die oft weinen. Deshalb müssen sie keine traurigen Teenager und Erwachsenen werden. „Glück lässt sich lernen“, so die These des Glücksforschers und Biophysikers Stefan Klein. Für ihn ist Glück „die Wechselwirkung mit der Außenwelt“. Und die lässt sich beeinflussen.
Gute Laune. Für die französische Psychologin Hélène Mathieu ist Glück das beste Erziehungsziel überhaupt: „Ein glückliches Kind kann sein ganzes Potenzial entfalten.“ Beste Basis sei Fröhlichkeit, die zur guten Gewohnheit in einer Familie gehören müsse. Fröhliche Eltern machen Kids happy.
Spielen, spielen, spielen. Es unterstützt die Entwicklung, weckt und trainiert die Sinne, regt zum Denken an. Kinder besitzen dabei unendliche Ausdauer und Energie, versinken in ihrer kleinen Welt, um so die große verstehen zu lernen. Spielen ist immer Herausforderung und Entspannung zugleich. Lassen Sie den Kleinen ihre Spielzeit, auch wenn die Hausaufgaben noch nicht erledigt sind oder das Flöteüben. Sie laden so ihre Akkus auf.
Frühsport. Sport hält Körper und Seele gesund. David Niven, Urvater der Glücksforschung, behauptet, allein tägliche Spaziergänge steigern das Lebensglück um zwölf Prozent. Bewegung kurbelt die Glückshormone an. Wer von Kindesbeinen an aktiv ist, wird nie Sportmuffel oder Pummelchen.
Ruheoase. Elementar für ein glückliches Leben ist die Balance von Ruhe und Aktivität. Kinder können nicht pausenlos aufnehmen. Sorgen Sie für Ruhephasen, in denen Sie zum Beispiel zusammen malen, puzzeln, lesen.
Rasselbande. Freundschaften sind ganz, ganz wichtig. Es ist Aufgabe der Eltern, bei der Freundschaftspflege zu helfen: Geburtstagsfeste veranstalten und besuchen, gegenseitige Treffen organisieren, gemeinsame Ausflüge planen. Insbesondere bei schüchternen Kindern.
Anti-Stress. Stress hat großen negativen Einfluss auf das Glück der Menschen, sagt Sonja Lyubomirska, Professorin an der University of California, eine der bekanntesten amerikanischen Glücksforscherinnen. Stress ist kein Phänomen des Berufslebens. Er beginnt heute oft schon in der Schule. Sprechen Sie viel über die Erlebnisse dort und unterstützen Sie, wo Sie können. Halten Sie Kontakt zu Lehrern und nehmen Sie an Elternabenden, Schulaufführungen etc. teil.
Kuscheltiere. Professorin Sonja Lyubomirska betont die Kraft der Umarmung. Moderne Menschen berühren sich zu wenig. Kinder brauchen Streicheleinheiten, nicht nur, wenn sie „Aua“ haben.
Think pink. Kinder von übervorsichtigen oder eher pessimistischen Eltern neigen zu düsteren Gedanken. Egal, wie es Ihnen gerade geht, lassen Sie das nicht Ihr Kind spüren, sondern leben Sie ihm vor, wie man anstrengende, unangenehme Situationen meistern kann.
Die große Liebe. Es ist Ihr Kind und es ist, wie es ist, auch wenn es anders ist, als sie es sich gewünscht haben. Entziehen Sie ihm nie Ihre Zuneigung, auch wenn es unartig war, eine Fünf geschrieben oder beim Wettstreit verloren hat. Dieses Gefühl, geliebt zu sein, was auch passiert, ist prägend für das ganze Leben.
We are familiy. Kleine Alltagsrituale sind wichtig, Kinder hängen daran, sie wollen dazugehören. Ob beim Kochen, Tischdecken oder Gartenarbeiten. Trauen Sie ihnen etwas zu. Auch wenn es dann länger dauert und Dreck macht.
Zarte Worte. Manchmal sind klare Worte notwendig. Hohn und Härte, Befehlston, gar Schreierei vergiften aber jede Harmonie.
Gute Zeiten. Kinder zeigen Gefühle spontan und sofort und sie können nicht warten. Nehmen Sie sich Zeit dafür, wann immer möglich. Die paar Minuten zum Zuhören, Aufmuntern, Trösten, Mitfreuen tun so gut.
I love you. Europäern kommt das in den USA häufige „I love you” oft übertrieben vor. Doch Worte haben Kraft! Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieben. Auch, wenn es längst kein kleines Kind mehr ist.
Dabei sein. Sie können und sollen Grenzen setzen, aber grenzen Sie Ihr Kind nicht aus. Mithalten zu können, ist wichtig für die kleine Individualität. Sie sollten daher nicht alles meiden, was alle machen, wie Fernsehen, Computerspiele, Kleidung oder Musik. Eltern, die die Welt kennen, in der ihre Kids leben, sind Helden.
Buchtipps:
-
David Niven: Die 100 Geheimnisse glücklicher Menschen
-
Stefan Klein: Die Glücksformel
-
Sonja Lyubomirsky: Glücklich sein
-
Ernst Fritz-Schubert: Schulfach Glück