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12. März 2009

Die Zukunft im Kinderzimmer

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Die Spielwarenbranche ist eine der schnellsten. Ununterbrochen bringt sie neue Produkte auf den Markt. Deren Entwickler leben immer in der Zukunft. Doch woher wissen sie, was Kinder in ein, zwei Jahren wollen? Wie arbeiten die Trendsetter im Spielzimmer? Uwe Weiler, COO der Simba Dickie Group, der für das gesamte Produktmanagement zuständig ist, gibt die Antworten.

Landet ein neues Spielzeug im Regal des Einzelhandels, liegt seine Geburts-
stunde oft nur zwei Jahre zurück. Ein Phänomen, das wir aus der Mobilfunk-, Mode- und Kosmetikbranche kennen. Dass die Spielwarenindustrie ebenfalls so kurze Entwicklungszeiten hat, wissen die wenigsten. Wer dort Produktmanager sein will, muss gleichzeitig Trendforscher sein. Oder Hellseher. Im Interview erzählt Uwe Weiler, COO der Simba Dickie Group, wie es sich so lebt in der Zukunft.

YO-YO: Herr Weiler, woher haben Sie ständig Ihre neuen Ideen?
UWE WEILER: Da gibt es viele Quellen. Die Messen zum Beispiel, die wichtigsten sind in Nürnberg und Hongkong. Impulse erhalten wir von unseren Tochterfirmen im Ausland und von unseren Kunden.

Aber wenn Produkte auf den Messen gezeigt werden, sind sie ja schon da …
Entscheidend ist, Tendenzen zu erkennen, zu bewerten und bei Gefallen weiterzuentwickeln. Außerdem sind auf den Messen die Lizenzgeber aus der TV- und Filmbranche, die ja immer Vorlaufzeiten von bis zu zwei Jahren haben. Unsere erfahrenen Produktmanager sehen sofort, ob beispielsweise zu einem Kinofilm eine Modewelle entstehen kann und ob dazu Spielzeug passen wird.

Das heißt, sie drehen das Rad weiter und erfinden es nicht ständig neu?
Im klassischen Spielbereich gibt es wenig, was noch nie da war. Das verläuft in Wellen und spült bestimmte Produkte immer wieder hoch. Aber dann aktualisiert und mit Zusatzfeatures aufgepeppt.

Nennen Sie uns ein Beispiel?
Bekleidungstrends werden auf Gestalt, Aussehen, Outfit der Puppen übertragen. Technik macht es möglich, dass eine Puppe isst, trinkt, Fieber bekommt, sich benimmt wie ein lebendiges Baby. Typisch ist das Yo-Yo. Das gab es schon vor 40 Jahren, dann wurde der Freilauf erfunden, heute ist es dank hochtechnischer Kugellager und Kupplungen ein richtiges Sportgerät. Die Yo-Yo-Welle kommt alle zehn Jahre, jede neue Generation entdeckt es wieder. Genau wie Hula-Hoop, wobei die modernen Reifen heute Sound- und Lichteffekte bieten.

Muss das Ziel nicht heißen, selbst solche Trends auszulösen …
Das gelingt uns auch oft genug. Beispiele für eine sehr erfolgreiche Eigenentwick-
lung sind der kleine Jodler von Simba und Marbletrax von Eichhorn.

Arbeiten Sie aus dem Bauch heraus?
Ja, ein gutes Bauchgefühl ist wichtig. Und ein gutes Auge. Wir sind ja sehr viel auf der ganzen Welt unterwegs und sammeln ununterbrochen neue Eindrücke, saugen permanent Anregungen auf, jede Reise führt ins Kaufhaus zur Spielwarenabteilung, selbst im Urlaub. Eigentlich ist aber alles Inspirationsquelle, was um einen herum ist.

Vermutlich auch die Kinder der Mitarbeiter …
Ganz sicher. Die müssen ohnehin alles testen. Unsere Produktentwickler besuchen aber auch regelmäßig Kindergärten, um die Kids zu beobachten und zu befragen.

Und was lieben die Kleinen momentan?
Wir sehen einen Trend zu allem Phantastischen, Magischen. Und das Pferdethema, was den großen Erfolg unserer Fillys erklärt, dieser kleinen Sammelpferde.

Womit befassen Sie sich selbst derzeit?
Eine unserer größten Herausforderungen ist, das Sortiment zu verjüngen. Die Kinder entwachsen dem klassischen Spielalter viel schneller als früher und wandern in Technik, Musik, Kosmetik und Mode ab.

Wie reagieren Sie auf den starken Techniktrend?
Das ist nicht unser Metier und auf den Elektronik-Zug wollen wir auch nicht aufspringen.

Fürchten Sie den Techniktrend?
Nein, denn allen Moden steht eine Gegentendenz gegenüber. Je mehr Computerisierung, desto mehr das Bedürfnis nach klassischen Themen, siehe Buchmarkt. Zudem wollen die Eltern, insbesondere in Deutschland, dass sich ihre Kinder mehr bewegen und selbst etwas mit den Händen schaffen.

Haben Sie denn für kleine Bewegungsmuffel etwas Neues zu bieten?
Sehr sportlich sind unsere neuen BIG Balance-Boards. Damit kann man seine Geschicklichkeit, das Körpergefühl und die Koordinationsfähigkeit trainieren. Die Boards eignen sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Muss ein europäischer Big Player wie Sie jeden Trend mitmachen?
Wir versuchen schon, Trends auszuschöpfen. Aber wir ziehen klare Grenzen. Widerspricht ein Thema unserer Philosophie, machen wir bestimmt nicht mit.

Was meinen Sie damit?
Ein Mitbewerber entwickelte versehrte Plüschtiere, eine überfahrene Katze ohne Bein oder einen Hund mit abgerissenem Ohr. Das finde ich geschmacklos.

Wie stehen Sie zu Spielzeugwaffen?
Da haben wir auch einiges im Angebot, aber sehr wohl durchdacht. Trends wie Gotcha oder Paintball, wo die Spieler mit Farbbällen aufeinander schießen, kämen nie in Frage. Wir bieten Spielzeugpistolen nur zusammen mit Zielscheiben an oder Boxhandschuhe nur inklusive Boxsack. Damit sich eine mögliche Aggressivität der Kinder nicht aufeinander richtet.

Bei einer Dauertrendwelle haben Sie das Ruder in der Hand …
In der Tat. Beim Dauerthema Funkfernsteuerung sowohl bei den Spielzeugen von Dickie Toys als auch im Hobbybereich bei Tamiya und Carson sind wir Marktführer. Und das bereits seit mehreren Jahren.

Welche Modellfahrzeuge laufen denn besonders gut?
Die größten Favoriten der Kids ändern sich scheinbar nie: Funktionsfahrzeuge wie Polizei- und Feuerwehrauto mit Zusatzfunktionen wie Light & Sound und motorisierte Fahrzeuge. Im funkferngesteuerten Segment sind Offroadfahrzeuge die Renner, wie der Hummer.

Wie sehen Sie die nahe Zukunft?
Wellen werden kürzer, also müssen wir sehr schnell reagieren und flexibel sein. Das war immer schon unsere Stärke.

Was zeichnet Simba Dickie noch aus?
Wer Trendsetter sein will, muss stets selbstbewusst und risikobereit sein. Wir bringen jedes Jahr mehrere Hundert neue Artikel heraus. Uns reizt es einfach, immer wieder Erfinder zu spielen.

Foto: Bildagentur Fotolia, Fotograf Michael Kempf

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com