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Berichte mit Videos
09. Oktober 2008

Beim Spielen zählt Beziehung

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Interview mit Privat-Dozent Dr. med. Georg Romer, Stellvertretender Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Eppendorf.

Internet, PC- und Videospiele, Handy-TV, Fernsehen – heute wachsen Kinder in einer technisierten Welt auf. Kann die zarte Kinderseele durch Medienkonsum ernsthaft Schaden nehmen? Ja, meint unser Experte Dr. Georg Romer.

Yo-Yo: Herr Dr. Romer, schadet der Techniktrend der zarten Kinderseele?
Dr. Georg Romer: Wir leben in einer immer komplexer werdenden hochtechnisierten Welt, in der Kinder sich zurechtfinden müssen. Dazu brauchen sie Unterstützung durch Erwachsene.

Laut einer EU-Studie sind 92 Prozent der Zehn- bis Zwölfjährigen mehrmals pro Woche drei Stunden im Internet. Kann ein Kind diese Informationsflut verarbeiten?
Es kommt sehr darauf an, wie ein Kind das Internet nutzt. „Online sein“ heißt im Gegensatz zum Fernsehen nicht passive Berieselung, sondern interaktiver Umgang mit dem Medium. Da Kinder das Tempo selbst steuern, nehmen sie nur die Informationen auf, die sie auch verarbeiten können. Zehn- bis Zwölfjährige verbringen die meiste Zeit mit Chatten, um mit Gleichaltrigen in Kontakt zu sein.

Die Initiative „Schau hin“ empfiehlt, Elf- bis 13-Jährige sollten nur eine Stunde am Tag mit PC-Spielen verbringen …
Das scheint mir angemessen. Eltern sollten dabei einen klaren Standpunkt vertreten, konsequent bleiben und im Blick haben, mit was sich ihre Kinder beschäftigen.

Kann ein Kind durch zu viel Medienkonsum ernsthaft Schaden nehmen?
Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Konsum gewaltverherrlichender Videospiele und der Entwicklung von Gewaltbereitschaft. Es ist aber gar nicht so entscheidend, was die Kinder am Bildschirm erleben, sondern welche Erfahrungen ihnen verloren gehen, also was sie nicht mehr erleben. Kinder, die in Freundschaften emotionale Anteilnahme und Einfühlung in den anderen lernen, sind auch gegenüber medialen Gewaltdarstellungen eher immun.

Erwachsene erzählen oft, dass sie selbst als Kind bei brutalen Filmen Angst hatten. Sind die Kids heute abgebrühter?
Ohne Zweifel sind Kinder heute mehr an mediale Darstellungen von Gewalt gewöhnt und reagieren deshalb weniger sensibel darauf. Damit sich Kinder nicht ängstigen, ist es besonders wichtig, dass die „Als-ob“-Ebene intakt ist, das Kind stets sicher zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden kann. Wenn Asterix und Obelix die Römer verprügeln, ist dies keine Gewaltverherrlichung. Auch bei James Bond werden Zwölfjährige in der Regel kapieren, das dies nicht im realen
Leben spielt.

Was können Eltern tun?
Den Medienkonsum maßvoll begrenzen. Kinder müssen lernen, aus dem Überangebot von Fernsehen, Internet, Video- und Computerspielen gezielt auszuwählen und ihre Zeit einzuteilen. Übrigens hat das Internet dazu geführt, dass der Fernsehkonsum bei Kindern und Jugendlichen deutlich zurückgegangen ist.

Können Kinder süchtig nach PC-Spielen und dergleichen werden?
Selbstverständlich gibt es wie bei Genussmitteln und Drogen den sogenannten schädlichen Gebrauch, ebenso wie die Sucht. Entscheidendes Merkmal ist der Kontrollverlust. Abhängigkeit besteht, wenn ein Kind verlernt hat, seine Zeit ohne elektronischen Medienkonsum zu gestalten. Sie entsteht vor allem bei sozial isolierten Kindern und Jugendlichen, bei denen eine normale Sättigung beim Videospielen ausbleibt, weil sie keinen stetig wiederkehrenden Hunger nach echtem Kontakt mit Gleichaltrigen mehr haben. Kinder, die sich freuen, ihre Freunde zu treffen, haben irgendwann genug von der virtuellen Bilderflut.

Diese Bilder können süchtig machen?
Bei den „Ballerspielen“ ist die Bildgestaltung darauf angelegt, dem Spielenden durch exzessive visuelle und akustische Belohnungsreize, die auf erfolgreiche Treffer folgen, möglichst viele „Kick“- Erlebnisse zu verschaffen. Dies wird mit Tempo und Spannung angeheizt. Bei diesen „Kicks“ werden Glückshormone freigesetzt, die bei entsprechender Empfänglichkeit süchtig machen können. Schlafstörungen und Bewegungsmangel sind bereits Alarmsymptome.

Sollten Eltern stattdessen mehr klassisches Spielzeug anbieten?
Aus meiner Sicht sind die Beziehungserfahrungen beim Spielen miteinander am wichtigsten.

Was kann die Gesellschaft tun?
Es wäre sehr wünschenswert, wenn es mehr Bewusstsein dafür gäbe, dass Kinder und Jugendliche sowohl bewegungs- als auch begegnungsfreundliche Spielräume brauchen, um nicht in einen unkontrollierten Sog medialer Reizüberflutung zu geraten. Der Grundstein wird im Kindergarten- und Grundschulalter gelegt. Es wäre gut, wenn mehr öffentliche Förderung in eine schulische Medienpädagogik fließen würde, die sich mit Kunst-, Musik- und Sportpädagogik vernetzt. Der Handlungsbedarf scheint groß.

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com