23. Oktober 2008

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes fünfte deutsche Grundschulkind ist zu dick und hat motorische Defizite. Weil sich die Kids zu wenig bewegen. Das kann böse gesundheitliche Folgen haben. Die lassen sich vermeiden – wenn die Erwachsenen mitspielen.
Fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland im Alter von drei bis 17 Jahren sind übergewichtig. Sie ernähren sich ungesund und treiben zu wenig Sport. Die Folgen: Immer mehr Kinder leiden unter zu hohem Blutdruck, Gicht und Diabetes Typ 2, eine Krankheit, die früher nur alte Menschen betraf. 53 Prozent der Jungs und 33 Prozent der Mädchen sind nicht in der Lage, bei einer Rumpfbeuge mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. 86 Prozent können keine Minute auf einem Bein stehen. Studien verweisen auf den Zusammenhang von Fernsehkonsum und Übergewicht. Den Rest erledigt der Computer.
Jetzt nimmt sich die Bundesregierung des Themas an und verabschiedete im Juni den nationalen Aktionsplan „In Form“. Er setzt unter anderem auf Vereinbarungen mit der Wirtschaft: Die Süßwarenindustrie soll auf Werbung verzichten, die auf Kinder unter zwölf Jahren zielt, die Computerspiel-Industrie soll mehr bewegungsfördernde PC-Spiele entwickeln. Und das können Eltern tun:
Vorturner. Sitzen die Erwachsenen nur auf dem Sofa, fahren jeden Meter mit dem Auto, nehmen immer Rolltreppe und Fahrstuhl, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kids zu Bewegungsmuffeln werden. Seien Sie Vorbild, gehen Sie schon mal vor, zum Schwimmen oder Schlittschuhlaufen.
Tobsucht. Das Höchste für Kinder ist es, wenn Mama und Papa mit ihnen herumtoben. Beim Laufen, Springen, Hüpfen werden auch Erwachsene wieder zu Kindern. So oft wie möglich draußen (Fuß-) Ball spielen, auf Spielplätzen klettern, Seil springen, um die Wette laufen …
Shopping. Es gibt genug Spielsachen und -geräte, die zu Aktivität animieren: Laufräder, Bobby-Cars, Dreiräder, Rollschuhe, Hüpfbälle, Balancier-Trainer, Jonglierbälle, Federball …
Es lebe der Sport. Den Versuch ist er wert, der Sportverein. Die Monatsbeiträge sind gering und es gibt verschiedene Sportarten unter einem Turnhallendach. Mädchen mögen Tanzkurse, die sich an den Musik-Charts orientieren.
Kluge Worte. Strenge Sätze, wie „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ können zu Übergewicht führen, weil das Kind sein natürliches Sättigungsgefühl verliert.
Gute Nacht. US-Forscher stellten fest: Wenig Schlaf kann Fettleibigkeit hervorrufen. Bei bis zu 92 Prozent der untersuchten Kinder führte Schlafmangel zu Übergewicht. Empfehlung: Kinder unter fünf Jahren elf Stunden, unter zehn Jahren bis zu zehn Stunden.
In die Schule gehen. Dass Kinder sich weniger bewegen, liegt auch am Schulsystem, das weniger Sport als früher im Stundenplan vorsieht. Tests ergaben, dass Kinder in einer Schulsportstunde durchschnittlich nur drei bis sieben Minuten wirklich aktiv sind. Es gibt viele Wege, das zu ändern, wie diese Elterninitiativen zeigen:
www.bewegteschule.de,
www.kinder-bewegen.de oder
www.schuleninbewegung.de
Augen auf. Viele Eltern stellen sich gar nicht (oder erst, wenn bereits Krankheiten auftreten) die Frage, ob das eigene Kind dick ist. Eine Studie ergab: Von übergewichtigen Müttern stuften 80 Prozent ihr dickes Kind als normal ein. Besser: Kinderarzt fragen.
Kraut und Rüben. Gesunde, ausgewogene Ernährung ist natürlich ein entscheidender Faktor. Das können Kinder lernen. Je frischer und farbenfroher das Essen, desto besser. Idealerweise gemeinsam, zu festen Zeiten und in Ruhe.
Mamma Mia. Wenn möglich, sollte die Mutter ihr Baby stillen. Denn Stillen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten vermindert das Risiko um 20 Prozent, später an Adipositas zu leiden, der krankhaften Form von Übergewicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Kindergesundheit.