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02. Oktober 2008

Sind so kleine Hände…

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Der Kampf gegen die Kinderarbeit

Die Bilder sind so schön bunt, die im Kopf entstehen, wenn wir an Spielzeug denken. Wir haben glückliche Kinder vor Augen, fröhliches Lachen im Ohr. Doch es gibt noch ein anderes Bild aus der Spielwarenwelt, das ist nicht farbenfroh. Das Bild von der Kinderarbeit.

Kleine Mädchen und Jungen fertigen in Pakistan Fußbälle, in Indien arbeiten sie in der Seidenherstellung und in Steinbrüchen, in Brasilien werden sie auf Orangen- und Zuckerrohrplantagen eingesetzt. Vielerorts auf der Welt findet man Kinder in der Teppichindustrie, in Westafrika auf den Kakao- und Kaffeefeldern. Wie viele es sind, weiß niemand genau. Internationale Kinderschutzorganisationen schätzen, dass weltweit jeder dritte Erntearbeiter jünger als 14 Jahre ist. In China soll es sie auch in der Spielwarenindustrie geben. Weil Kinder schlechter bezahlt werden können als Erwachsene. Und weil sie kleine, geschickte Hände haben.

Die Vorstellung schmerzt: Sind auch Puppen und Plüschtiere auf dem deutschen Markt von Kinderhand gefertigt? Ja, sagen Menschenrechtsorganisationen. Der Spielzeughandel funktioniert schließlich wie andere globalisierte Industriezweige auch, die in Billiglohnländern herstellen. Die Sportartikel-, Bekleidungs- und Elektronikbranche zum Beispiel. Die meisten Unternehmen haben dort keine eigenen Niederlassungen. Sie vergeben ihre Aufträge an Lieferanten vor Ort, denen sie nicht ständig auf die Finger schauen (können).

Spielzeug aus dem Perlflussdelta

80 Prozent der in Deutschland gehandelten Spielwaren kommen aus Fernost. Aus einer einzigen chinesischen Provinz, aus Guangdong im Perlflussdelta, das die Fläche Baden-Württembergs hat und „Werkbank der Welt“ genannt wird. Etwa 10.000 Spielzeugfabriken arbeiten für fast alle namhaften deutschen Marken, für die Weltkonzerne ohnehin. Auch die Simba Dickie Group produziert hier.

Wichtiger Unterschied: Der Konzern aus Fürth besitzt eigene Joint-Venture-Betriebe in Shenzhen, die zum Beispiel „King Well“, „Hung To“ und „Toy Tech“ heißen. Hinzu kommen mehr als 20 Partnerproduzenten, allesamt anerkannte Qualitätshersteller. „Wir hatten noch niemals einen Verdacht oder Vorwurf wegen Kinderarbeit in unseren Joint-Venture- Betrieben“, betont Michael Sieber, CEO der Simba Dickie Group, die schon seit den achtziger Jahren in Asien produziert. Eigens geschulte Mitarbeiter kontrollieren sorgfältig die Papiere bei Neueinstellungen. Denn Arbeitsrechtsorganisationen in Hongkong berichten, viele Kinder würden sich mit gefälschten Dokumenten einschleichen. Plätze und Bürgersteige in Guangdong seien zugekleistert mit Werbezetteln, auf denen Dokumentenfälscher ihre Dienste anbieten. Siebers Credo: „Wir übernehmen Verantwortung für Mensch und Umwelt und engagieren uns im Rahmen des ICTI-CARE-Prozesses für faire Arbeitsstandards. Nur wenn das Wohlbefinden der Mitarbeiter garantiert ist, können Produkte entstehen, die unsere ethischen und moralischen Ansprüche erfüllen.“

Was sich hinter anderen Fabriktüren abspielt, ist schwer zu sagen. Nur selten werden Besucher eingelassen. Gelingt es Journalisten oder Vertretern von Menschenrechtsorganisationen, fallen die Berichte in der Regel dramatisch aus. Von unmenschlichen Arbeitsbedingungen, vor Erschöpfung zusammenbrechenden und kranken Arbeitern ist die Rede, von Kindern, die wie Sklaven gehalten werden. Die regierungsunabhängige US-Bürgerrechtsorganisation China Labor Watch legte im August 2007 eine Untersuchung vor. Ein Jahr lang hatten die Mitarbeiter acht Fabriken „mit investigativen Methoden“ inspiziert. Fazit: Die Arbeiter leiden nach wie vor in den „Blut- und Schweißfabriken“, vor allem in der Sportartikel- und Schuhherstellung.

Kinder als Lückenbüsser

Seit die chinesische Wirtschaft boomt, herrscht Arbeitskräftemangel in Shenzhen. Es gibt nicht mehr genug Wanderarbeiter. Mancherorts füllen Kinder die Lücken, Zwölf- bis 16 Jährige, die in Klassenverbänden mit Lehrern anreisen. Bevorzugt werden Mädchen, weil sie als gehorsamer gelten. Sie arbeiten während der Weihnachtsproduktion im Sommer an den Fließbändern, vermietet von ihren Schulen, die die Hälfte des Lohnes als „Schulgebühr“ einbehalten. „Das verletzt nicht nur internationale Menschenrechtsstandards, sondern auch nationales chinesisches Recht“, sagt Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerkes Misereor, das sich seit Mitte der 90er Jahre für bessere Arbeitsbedingungen in der chinesischen Spielwarenindustrie einsetzt. Es sei noch lange nicht zum Besten, immer noch führten Übermüdung, defekte Maschinen und Elektronik zu Unfällen und zu Bränden.

Am Anfang war das Feuer

Feuer waren einst Auslöser, dass die Diskussion um freiwillige Unternehmensverantwortung in der Spielzeugindustrie ins Rollen kam. Als es das Wort Globalisierung noch nicht im allgemeinen Sprachgebrauch gab und es egal war, ob in China ein Sack Reis umfällt, setzte eine Tragödie den Wandlungsprozess in Gang: Im Mai 1993 brannte die „Kader Toy Factory“ in Bangkok (Thailand) nieder, im November desselben Jahres die „Zhili Toy Factory“ in Shenzhen. Fast 280 Menschenleben und über 500 Verletzte forderten die beiden Feuer.

2001 beschloss der Spielwaren-Weltverband International Council of Toy Industries (ICTI) die systematische Überprüfung der Fabriken. 2003 wurden die ersten systematischen Kontrollen durchgeführt und der ICTI CARE-Prozess begann . Nach Anmeldung eines Betriebes findet die Fabrikinspektion durch eine zugelassene Auditgesellschaft statt. Wer besteht oder notwendige Verbesserungen durchgeführt hat, erhält das Zertifikat, das nach einem Jahr erneuert werden muss. Zusätzlich finden unangekündigte Quality Check Audits von einer anderen Auditfirma statt, um Betrug zu erschweren. Aktuell sind von den etwa 3.500 chinesischen Spielzeugherstellern mit Exportlizenz 747 zertifiziert, knapp 1.500 für den ICTI CARE-Prozess angemeldet (Stand: 12.02.2008).

Verantwortung der Auftraggeber

Josef Sayer von Misereor betont aber, dass es nicht korrekt sei, „die Schuld allein bei den chinesischen Lieferanten zu suchen. Wer seine Lieferanten durch niedrige Preise und knappe Lieferfristen unter Druck setzt, ist mitverantwortlich für Gesundheitsgefährdungen und Arbeitsunfälle.“ Misereor ist (neben der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands, der Katholischen Frauengemeinschaft, dem Nürnberger Bündnis „Fair Toys“ sowie der Werkstatt Ökonomie) Träger der „Aktion fair spielt“ aus Heidelberg. Die Initiative informiert auf ihrer Homepage darüber, welcher deutsche Hersteller zertifiziert ist. Ein dem ICTI inhaltlich identischer Prozess ist BSCI (Business Social Compliance Initiative), eine europäische Handelsinitiative, der vor allem Textil- und Schuhindustrie angehören.

Die Simba Dickie Group übernahm ICTI bereits 2004. Mehr als 75 Prozent des Produktvolumens sind bereits zertifiziert,
der verbleibende Rest folgt. Gerade läuft der Prozess zur BSCI-Zertifizierung, weil die Anerkennung durch europäische Kunden größer ist. „Wir prüfen zusätzlich permanent, ob sich alle Partnerunternehmen an die Regeln halten“, so Michael
Sieber. „Dafür haben wir chinesische Mitarbeiter in Shenzhen, die ständig und unangekündigt in den Betrieben nach
dem Rechten sehen.“ Sie wurden von der größten Zertifizierungsorganisation der Welt (SGS) ausgebildet. Durch die jahrelange Zusammenarbeit „können wir uns auf sie verlassen“, so der Firmenchef, der sogar noch mehr Kontrolleure einstellen will. Für Simba Dickie selbstverständlich: Ein Quality Assurance Manager kümmert sich mit seinem Team in allen Betrieben der Gruppe um Arbeitsschutz und Sicherheit.

Dass sich überhaupt noch asiatische Arbeiter finden, die sich auf schlechte Bedingungen einlassen oder ihre Kinder in Fabriken schicken, zeigt, wie groß das wirtschaftliche Elend ist, dem sie zu entfliehen suchen. Viele kommen aus weit entfernt liegenden bitterarmen Dörfern. Oft hängen ganze Familien von ihren Löhnen ab. Außerdem halten sich viele Fabrikarbeiter von Guangdong nur mit vorläufiger Aufenthaltserlaubnis in der Provinz auf. Werden sie entlassen, erlischt diese und ihnen droht die Deportation.

Das neue Arbeitsrecht trägt Früchte

Fest steht, dass sich – seit am 1. Januar 2008 das neue chinesische Arbeitsrecht in Kraft getreten ist – vieles für die Dagongzai, die Fabrikarbeiter, zum Positiven gewendet hat. Der Durchschnittsverdienst ist um 20 Prozent gestiegen. Viele der Wanderarbeiter, deren Zahl auf 200 Millionen geschätzt wird, sind zunehmend zufrieden. Sie sind froh, den Dorfverhältnissen entkommen zu sein und heute beispielsweise ihre Ehepartner selbst wählen zu dürfen. Die wirtschaftliche Entwicklung gibt Hoffnung auf einen schichtübergreifenden gesellschaftlichen Wohlstand in China. Er ist die Voraussetzung, dass niemand mehr sein kleines Kind zur Arbeit schicken muss.

Pressekontakt
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Frau Isabel Weishar

Fon: +49 (0) 911-9763-263
Fax: +49 (0) 911-9763-162

E-Mail: i.weishar@simba-dickie.com

ICTI- Verhaltenskodex

Diese Bedingungen müssen Mitgliedsunternehmen einhalten und mit ihren Lieferanten vertraglich vereinbaren:

Die Arbeit

  • Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten und Überstundenvergütung
  • Verbot der Kinder- und Zwangsarbeit, Mindestalter 14 Jahre
  • Gesetzliche Sozialleistungen bei Krankheit und Schwangerschaft
  • Recht auf Arbeitnehmervertretung im Rahmen lokaler Gesetze

Liste der zertifizierten Spielzeugfirmen im Internet unter: www.toy.de; Details zu ICTI unter: www.toy-icti.org

Der Arbeitsplatz

Sicherheit am Arbeitsplatz (Sicherheitsvorkehrungen an den Maschinen, Arbeitsschutzausrüstung verfügbar, ihr Gebrauch geübt)

  • Arbeits- und Gesundheitsschutz (Beleuchtung, Belüftung, freie Fluchtwege und Notausgänge)
  • Medizinische Versorgung der Beschäftigten (zuständige Mitarbeiter haben eine Erste-Hilfe-Ausbildung)
  • Sanitäranlagen und Hygiene-Standards
  • Angemessene Unterbringung (Räume für Mahlzeiten und Pausen, Schlafräume mit Sanitäreinrichtungen und Lüftung, Feuerschutzmaßnahmen)
  • Verbot unwürdiger Disziplinierung

Liste der zertifizierten Spielzeugfirmen im Internet unter: www.toy.de; Details zu ICTI unter: www.toy-icti.org